Saddam und Bashar

Hizb-al-baath – ihre Gemeinsamkeit.

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Die Partei die an “Einheit – Freiheit- Sozialismus” glaubte.

Klingt gut. Und während auf der einen Seite der bereits hingerichtete Saddam Hussein glorifiziert wird, als wäre er ein Vorbild des sunnitischen Islams, geschieht dasselbe mit dem, noch lebenden, Bashar al Assad. Nur das Assad nicht mal Shiit ist, wie viele seiner Anhänger die Welt und weniger gebildete gerne glauben lassen.

Hizb-al-baath stand für eine nationalistische, sozialistische Alternative. Sie war niemals religiös bestimmt. Auch dann noch nicht wirklich als Hafez al Assad (Vater von Bashar) als Alawi in Syrien den Parteivorsitz übernahm und Saddam Hussein als Sunnit Generalsekretär der Partei im Irak wurde. Während ihrer gesamten Wirkenszeit spielte Religion nur dann eine Rolle, wenn es um das bevorzugen oder eher das benachteiligen (unterdrücken) aller anderen ging.  (Vorzüge für Alawiten in Syrien und für Sunnis im Irak)

Allerdings war es Saddam egal, dass die meisten Kurden, so denn sie denn Muslime sind, Sunniten sind als er sie genau so wie die Shiiten vergaste.

Weder die Assad Familie noch die Hussein Familie waren jemals bekannt für ihre Religiösität, religiöses Verhalten (eher umgekehrt: Alkoholkonsum, Einführung sozialistischer Lehren und Streichung vom Religionsunterricht etc.) oder sonstiges.

Doch was ist passiert? Plötzlich rufen Shiiten aus dem Iran, Europa und Anhänger der HizbAllah dazu auf, einen Bashar al Assad zu unterstützen. Der, dessen Religionsgruppe (Alawi) ausserhalb der islamischen Regeln steht (Imam Ali wird als Gott bezeichnet), der, den die Religion und der Glaube niemals interessierte.

Und im Irak unterstützen Anhänger der Baath Partei die ISIS.

Was ist da los?

Wisst ihr nicht, liebe Baathisten, dass die ISIS euch sprichwörtlich fressen wird, sobald sie die Macht im Irak erlangt hat? Denkt ihr, sie würden euch verschonen? Euch, eure sozialistische (vielleicht sogar atheistische) Denkweise überlassen?

Und ihr, Shiiten. Denkt ihr, Assad würde sich auch nur annähernd um euch kümmern? Seine Beziehungen zum Iran waren stets rein politischer Natur. Hätte Assad mehr Verbündete in der sunnitisch islamischen Welt gehabt – er hätte euch verraten, seit dem ersten Tag!

Wenn Saddam könnte, er würde lachen über euch, nicht weil er die ISIS gut findet (er würde sie vergasen, wie alle die ihm nicht passten!), sondern weil er gerne über das Leid der Dummen und Schwachen lachte, die mit offenen Augen in ihr Unglück liefen.

Und Assad? Der lacht über euch. Im stillen Kämmerlein, wo ihr es nicht seht. Er interessiert sich nicht für euch oder euren Wali. Euer Treueschwur ist für ihn Dummheit und er freut sich, dass ihr eure Söhne in einen Krieg für SEINE Macht schickt.

Saddam und Hussein – Brüder im Geiste.

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Su-Shi Einigkeit

Sonntag Nachmittag irgendwo in Ostwestfalen.

Bozzi ist zu Besuch und weil wir keinen Balkon haben, dafür aber zwei große, lichtdurchflutete Wohnräume, sitzen wir dort, Kaffee schlürfend und das von mir selbstgemachte Faloodeh (Eis) mehr runterwürgend (Glasnudelkampf) als genießend, verspeisend und lassen uns die ersten Sonnenstrahlen dieses Frühjahrs ins Gesicht scheinen.

Weil Su die hausgemachten Süßspeisen von Bozzi´s Mutter Hanife* so sehr liebt, kann er mein mißratenes Eis nicht auf uns sitzen lassen und  beginnt, noch während wir mit den Nudeln im Faloodeh kämpfen, schon damit ein geeignetes Blätterteig Rezept zu finden. Am besten kein türkisches, Bozzi würde sonst vielleicht jede Unstimmigkeit im Geschmack bemerken. Su ist da Perfektionist!

Hätte nicht eines unserer Smartphones in diesem Moment vibriert, um eine neue, eingehende Nachricht, in einem der, mittlerweile wirklich unzählbar, vielen sozialen Netzwerke anzuzeigen,  wäre uns das Thema vielleicht entgegangen.

Aber heutzutage entgeht einem nichts mehr.

“Will Erdogan apologize to Turkey´s Shiites”

Steht dort groß auf dem Display.

Bozzi verdreht die Augen, zieht eine Zigarette aus ihrer Schachtel und begibt sich Richtung Raucherraum, ich trotte ihr, mit dem Handy, auf´s Display starrend und den Artikel lesend, hinterher.

>>Das wird mir langsam auch alles zu blöd mit dem.<< raunzt sie, den ersten grauen Qualm ausatmend. 

>>Ich meine, ehrlich Shii, du weißt wie ich hinter seiner Politik stand, egal was alle von mir gehalten haben! Aber jetzt dreht er vollkommen durch! Twitterverbot, Shiiten Hetze, was kommt als nächstes?<<

Ich hätte in diesem Moment gerne etwas beschwichtigendes gesagt, irgendetwas eben nicht verbittert, ernüchterndes, aber es gelingt mir nicht. Und so zucke ich nur mit den Schultern, ziehe mir den Schal etwas fester vor die Nase, um nicht noch mehr Zigarettenrauch einatmen zu müssen und werfe ein >>Shiitenbashing kommt meistens gut.” ein.

Während die beiden anderen Stunden später genüsslich Su´s Blätterteig Kreation verspeisen, sitze ich noch vor meinem Smartphone und lese. Lese eine Reaktion von dem shiitisschen Gelehrten Makarem Shirazi. Nicht unbedingt mein Favorit, aber hier stimme ich ihm zu. (Artikel)

Natürlich, das tut man so.

Und noch bevor ich den Artikel zu Ende lese, teile ich ihn schon auf einem sozialen Netzwerk.

Empört euch!

Abends sitze ich mit Su auf dem Sofa, Bozzi ist lange fort. Ich bin immer noch unruhig, Su weiß das. Aus Solidarität gefällt ihm sogar der geteilte Artikel. Selbst wenn es dafür wieder Sprüche geben sollte.   Ich selbst lese den Artikel noch mal und lese erst jetzt ganz bewusst:

“We are hopeful that the New Year will be one of unity between the Muslims.”

Einigkeitswünsche zum persischen Neujahrsfest (Nowruz), klingen schön, teilweise aber auch ganz weit weg.

Nicht soo weit weg. Bei uns funktioniert sie, die Einigkeit. Ohne Streit, aber auch ohne Verleumdung, mit Respekt und Liebe an Sonntagen irgendwo in Ostwestfalen und mit ganz viel schlecht gemachtem Faloodeh…

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gez. Shii

* Name geändert!

Su-Shii Liebe: Everything´s possible!